Lernende äußern zum Förderende des ALFA-Mobils, was das Ende des aufsuchenden, öffentlichkeitswirksamen Projekts mit Lernendeneinbindung für sie bedeutet.

Zum Ende des ALFA-Mobils erreichten uns zahlreiche sehr persönliche und traurige Nachrichten von Lernenden und Selbsthilfegruppen aus ganz Deutschland. So findet Key, Lerner-Expert:in bei der Stiftung Grundbildung Berlin, in deren Infobrief vom Februar 2026 sehr wertschätzende Abschiedsworte:

Ich habe ganz zufällig erfahren, dass das Alfa-Mobil dem Sparhammer zu Opfer gefallen ist. Das hat mich sehr erschreckt, nun bin ich richtig traurig. In der Weihnachtszeit dürfen die Menschen sich besinnen, aber auf was frage ich mich. Vielleicht naht bald Hilfe und die Alfa-Mobilisten führen ihre Arbeit fort. Denn ihre Beratungen sind hilfreich und oft Trost für die Wortblinden, die vielleicht doch noch in ihrem Leben den einen oder anderen Liebesbrief oder eine Bewerbung für die Arbeitsstelle oder, oder, oder … ganz alleine schreiben, lesen und verstehen können wollen, weil sie an einem Deutschkurs teilgenommen haben.

Den vollständigen Brief auf der Seite der Stiftung Grundbildung Berlin lesen.

Für die Selbsthilfegruppe Wortblind aus Lüneburg, die seit vielen Jahren selbst und gemeinsam mit dem BVAG und dem ALFA-Mobil aktiv ist, hat Nina K. einen Brief an Bundesbildungsministerin Prien verfasst, um sich für die Fortführung des ALFA-Mobils auszusprechen. Dort heißt es:

Wir sehen das ALFA-Mobil als wichtige Plattform, das Bewusstsein für Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten in der Öffentlichkeit zu schärfen. Wir arbeiten gemeinsam mit dem ALFA-Mobil daran, die Probleme und die Herausforderungen von Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten bekannter zu machen und somit präventiv tätig zu sein.
Das ALFA-Mobil hat uns immer in den Jahren geholfen unsere Lese- und Schreibschwierigkeiten zu verbessern und unser Selbstvertrauen zu stärken. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben uns stets mit Geduld und Verständnis unterstützt und uns geholfen unsere Ziele zu erreichen.

Lesen Sie den vollständigen Brief.

Im ALFA-Forum 109 äußern sich ebenfalls eine Lernbotschafterin und ein Lernbotschafter zum Ende des ALFA-Mobils:

Lernbotschafter Peter fasst es so zusammen:

Seit über 10 Jahren habe ich das ALFA-Mobil begleitet. Wir haben viele Betroffene erreicht, damit sie einen Lese- und Schreibkurs für Erwachsene besuchen. Es wäre schön gewesen, wenn es sowas auch früher gegeben hätte, als ich die Schule verlassen habe, dann hätte ich viel früher lesen und schreiben gelernt. So habe ich das erst erfahren, als ich meinen Arbeitsplatz nach 25 Jahren verloren habe und mit 45 Jahren einen Schreibkurs besucht. Ich finde es traurig, dass das ALFA-Mobil aufgelöst wird. Das ALFA-Mobil-Team hat mit dem Herzen großartige Arbeit geleistet und sich mit den Jahren ein Vertrauen bei den Lernern erarbeitet, was sie in die Gesellschaft schon lange verloren haben.

Lernbotschafterin Halima äußert sich folgendermaßen:

Ich habe das ALFA-Mobil 2018 kennengelernt, da stand es in Frankfurt am Main an der Konstablerwache und wir haben es mit meinem Lese-und Schreiblernkurs der Volkshochschule Frankfurt besucht und haben uns ausgetauscht. Die Mitarbeitenden waren sehr freundlich und verständnisvoll, sie sind uns auf Augenhöhe begegnet und nicht von oben herab. Und seit 2021 bin ich selbst Lernbotschafterin. Öfter war ich mit dem ALFA-Mobil unterwegs. […] Besonders gut fand ich das Medientraining 2023 in Berlin und im Juli 2024 in Rheine, da habe ich so viel gelernt: wie ich die Menschen ansprechen und aufklären kann, wie ich ich mit der Presse und Journalisten umgehe, wie ich Fragen beantworten kann und was ich nicht erzählen will. Wir hatten tolle Gespräche, konnten uns austauschen, es waren Lernbotschafter aus ganz Deutschland da und ich fühlte mich sehr wohl in dieser Gemeinschaft. Wir haben alle viel voneinander gelernt, die Lernbotschafter und die Trainer. Es waren wunderschöne Tage, schade, dass wir uns nicht mehr wiedersehen werden. Danke an das Team des ALFA-Mobils, danke euch allen Lernbotschaftern! Ich bin so stolz, dass ich dabei sein durfte, es hat mein Selbstbewusstsein gestärkt und mir sehr viel gegeben. Dass die Politik wieder bei den Schwächsten der Gesellschaft das Geld kürzt und das ALFA-Mobil nicht mehr weiter fördert, ist sehr, sehr traurig.

Es haben uns zahlreiche weitere Nachrichten und Unterstützungsangebote erreicht, für die wir sehr dankbar sind.

Das ALFA-Mobil war eine wirksame Maßnahme, die die Lernendeneinbindung systematisch durchgeführt hat. Jede aufsuchende Aktion wurde von ehrenamtlichen Lernbotschafter:innen begleitet. Zum Programm des Projekts gehörten zeitweilig auch die Medientrainings für Lernbotschafter:innen. Jedes Jahr haben rund 30 Lernerinnen und Lerner bundesweit die ALFA-Mobil-Aktionen und Schulungen ehrenamtlich begleitet. Sie haben ihre Zeit, teils sogar Urlaubstage dafür aufgewendet. Sie haben sich sehr offen und persönlich – direkt und in den Medien – geäußert, um anderen Erwachsenen einen Impuls zu geben und aufzuzeigen, dass Lernen sich lohnen kann.

Dieses Engagement und das gemeinsame Wirken im Einsatz für die gute Sache bedeutete den Lernenden sowie den Hauptamtlichen sehr viel. Es bot einen Rahmen, um aufmerksam zu machen, um sich zu engagieren und auch um hinzulernen und neue Horizonte zu erschließen – zum Beispiel durch gemeinsame bundesweite Reisen und den Kontakt mit einer großen Vielfalt an Menschen.

Text: Nicole Pöppel