Am 28. Mai ist Tag der Leichten Sprache. Seit 2020 wird dieser Tag gefeiert und erinnert an die Bedeutung der kommunikativen Barrierefreiheit.
Am 28. Mai ist Tag der Leichten Sprache. Seit 2020 wird dieser Tag gefeiert und erinnert an die Bedeutung der kommunikativen Barrierefreiheit. Denn Barrieren bestehen nicht nur aus Treppen, sondern auch aus Sprache. Weil Sprache eine unabdingbare Bedingung für die gesellschaftliche Teilhabe ist, ist es sehr wichtig, dass sie keine Hindernisse zur Teilhabe schafft. Und das betrifft viele Menschen in der deutschen Gesellschaft: Menschen mit Leseschwierigkeiten, Lernschwierigkeiten, Demenz oder auch zugewanderte Menschen mit wenig Deutschkenntnissen.
In Deutschland wurde das Konzept der Leichten Sprache erst ab den 1990er Jahren richtig bekannt, obwohl es schon in den USA bereits ab den 1970er Jahre entstand. Die Organisation Inclusion Europe wurde z.B. am 28.05.1988 gegründet und setzt sich seitdem für verständlichere Sprache und barrierefreie Kommunikation ein. Der 28. Mai als Tag der Leichten Sprache ist also kein Zufall. Und in den 1990er Jahre wurden die ersten Bücher in Leichter Sprache veröffentlicht. Aber erst ab 2006 – mit der Gründung des Netzwerks Leichte Sprache – stand das Konzept der Leichten Sprache in Deutschland auf einem festen Fundament. Denn mit der Gründung des Netzwerks wurden auch Regeln für Leichte Sprache veröffentlicht. Das war eine wichtige Entwicklung, die ab den 2010er Jahren Leichte Sprache mit Selbstverständlichkeit in Behörden, Medien und auf Webseiten etabliert hat. Damit wurden auch gesetzliche Vorgaben zur Barrierefreiheit umgesetzt.
Übrigens: Oft wird Leichte Sprache mit dem Konzept der Einfachen Sprache gleichgesetzt, was nicht richtig ist. Die Einfache Sprache etablierte sich erst ab den 2000er Jahre und verfügt im Gegensatz zum Konzept der Leichten Sprache über kein klar definiertes und allgemein akzeptiertes Regelwerk zur Formulierung von Einfacher Sprache. Auch gibt es noch keine offizielle Einrichtung oder offizielles Netzwerk, das für Einfache Sprache steht. Ein wichtiger Unterschied zwischen der Leichten Sprache und Einfachen Sprache ist, dass Leichte Sprache stärker vereinfacht ist als Einfache Sprache. So sind für Leichte Sprache einfache Hauptsätze ohne Nebensätze typisch. Bei der Einfachen Sprache sind dahingegen auch Nebensätze üblich. Ein weiterer Unterschied ist, dass Texte in Leichter Sprache im Vergleich zu den Ursprungstexten in Bildungs- oder Fachsprache oft auch eine inhaltliche Vereinfachung beinhalten. Das ist bei Einfacher Sprache nicht so, denn da betreffen die Vereinfachungen ausschließlich den Wortschatz, die Sätze und den Textaufbau und man versucht, dass der Inhalt des Ursprungtextes vollständig erhalten bleibt.
Und darin sieht man, was Leichte Sprache (oder auch Einfache Sprache) ist. Sie ist eine zusätzliche Kommunikation zur üblichen Kommunikation. Sie ersetzt nicht die Bildungs- oder Fachsprache, sondern ergänzt sie. In gewisser Weise verhält sie sich wie die Rampe oder der Fahrstuhl zur Treppe, die für Menschen mit körperlichen Einschränkungen so wichtig sind. Es ist nicht entweder Leichte Sprache oder Bildungs- und Fachsprache, sondern sowohl als auch.
Also: Mut zur Leichten Sprache!
Text: Alexis Feldmeier García