Der Nationale Bildungsbericht 2026 bietet Überblick über alle Bildungsbereiche und legt den Schwerpunkt auf Bildungsungleichheit nach sozialer Herkunft.

Der Nationale Bildungsbericht 2026 ist am 15. Juni erschienen und bündelt auf fast 400 Seiten Daten und Erkenntnisse zu allen Bildungsbereichen von Kita bis Weiterbildung. Fokus des Nationalen Bildungsberichts 2026 ist die Bildungsungleichheit nach sozialer Herkunft.

Bezogen auf den Bereich der Alphabetisierung wird von einer strukturellen Unterfinanzierung berichtet: Angebote für gering Literalisierte, die in Deutschland aufgewachsen sind, seien überwiegend projektförmig finanziert. Dies habe Folgen für Angebotsstabilität, curriculare Absicherung, Qualifikation und Beschäftigungsbedingungen des Personals sowie Berichterstattung und Forschung zu den Wirkungen der Maßnahmen.

Menschen mit Grundbildungsbedarfen würden neben älteren oder gering qualifizierten Beschäftigten in den gegenwärtigen Anbieter- und Angebotsstrukturen der Weiterbildung vernachlässigt.

Nicht nur in der Alphabetisierung würden Erwartungen an eine leistungsgerechte Bezahlung von Beschäftigten in der Weiterbildung oft nicht erfüllt, ihr Einkommen liege deutlich unter dem Durchschnittseinkommen aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

Der Bericht betrachtet auch Trends und Problemlagen mit Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre der Berichterstattung, unter anderem unter der Überschrift „Erweiterte Aufgaben und begrenzte finanzielle Spielräume“. Eine grafische Übersicht dieser Trends und Problemlagen und der damit verbundenen Herausforderungen finden Sie auf den Seiten 28 und 29. Thematisiert werden hier unter anderem die Übergänge zwischen Bildungsbereichen als „sensible Schnittstellen im Bildungssystem“. Diese sollten als Teil kontinuierlicher Bildungs- und Erwerbsverläufe gestaltet werden.

Im Schwerpunktkapitel wird festgehalten, dass Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft sich schon im Säuglings- und Kleinkindalter auswirken und der erste Ort für Lernanregungen für Kinder die Familie sei. Das Bildungssystem könne diese Ungleichheiten verstärken oder ihnen entgegenwirken. Punktuelle Förderprogramme oder zeitlich begrenzte Initiativen für sich genommen seien nicht ausreichend, um auf frühe Bildungsungleichheiten und deren Kumulation im Lebensverlauf zu reagieren. Erforderlich sei eine systemische Perspektive auf das Individuum und die gesamte Bildungskette, die frühe Risikolagen, institutionelle Rahmenbedingungen und Übergangsstrukturen in den Blick nehme.

Ein aktueller Beitrag von Josef Schrader und Jonathan Kohl im WIARDA-Blog weist darauf hin, wie wenig Resonanz die Befunde der allgemeinen Erwachsenenbildung erhalten, obwohl sie den größten Bildungsbereich darstellt. Sie vergleichen den Grundbildungsbereich mit dem Gesamtprogramm Sprache, das in vielen Punkten ambitionierter und strukturierter als die Alpha-Dekade sei und regen an, dieses als Referenz für eine Weiterentwicklung der AlphaDekade zu nehmen. Weiterhin empfehlen sie früher Weiterbildungsabstinenz entgegenzuwirken, eine digitale Weiterbildungsoffensive zu starten, im Anschluss an das Herrenberg-Urteil sozialversicherungsrechtlich tragfähige Lösungen für die Lehrkräfte der Weiterbildung zu finden und der Frage nachzugehen, wie die Finanzierung der Weiterbildung zwischen Staat, Unternehmen, Korporationen, Verbänden und Individuen verteilt werden kann und soll. Lesen Sie den Beitrag „Wie weiter mit der Weiterbildung?“ im WIARDA Blog.

Über den Nationalen Bildungsbericht

Alle zwei Jahre berichtet eine unabhängige Gruppe von Wissenschafterinnen und Wissenschaftlern unter der Federführung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation über Leistungen und Herausforderungen im deutschen Bildungssystem. Gefördert wird der Bericht mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland.

Text: Julia Werner, aktualisiert am 15.07.2026