Was können Sie machen?

Ansprechen

Wenn Sie vermuten, dass eine bestimmte Person, mit der sie beruflich zu tun haben, von Funktionalem Analphabetismus betroffen ist, können Sie diese darauf ansprechen. Die meisten sind nach einem solchen Gespräch erleichtert.

Versuchen Sie, die Gesprächsführung sensibel auf ihr Gegenüber abzustimmen.

Was gilt es bei einem solchen Gespräch zu beachten?

  • Einen guten Zeitpunkt auswählen: Hören Sie hierfür auf Ihr Bauchgefühl und sorgen Sie für eine ruhige, entspannte Atmosphäre.
  • Anonymität sichern: Wenn möglich sollten keine weiteren Personen außer Ihnen beiden anwesend sein. Die Person muss sich darauf verlassen können, dass Sie die Informationen aus dem Gespräch nicht in die Öffentlichkeit tragen.
  • Auf wertschätzende Formulierungen achten: Vermeiden Sie es, Urteile zu fällen: „Ich weiß, dass Sie Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben“, sondern sprechen Sie an, was Sie wahrnehmen und vermuten: „Ich sehe gerade, dass Sie bei der ersten Frage auf diesem Formular nicht weiterkommen. Kann es sein, dass Ihnen das Lesen und Schreiben schwerfällt?“
  • Zeit mitbringen: Wenn Sie Menschen auf ihre Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben ansprechen, kann es passieren, dass eine ganze Lebens- und manchmal auch Leidensgeschichte auftaucht. Hierfür sollten Sie sich Zeit nehmen können und so Ihrem Gegenüber Wertschätzung entgegenbringen.

Mutmachen

Da Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können, oft ein geringes Selbstbewusstsein haben, sollten Sie ihnen Mut machen. Denn auch Erwachsene können sich noch im Lesen und Schreiben verbessern. Es gibt keine Altersgrenze.

Überlegen sie gemeinsam, wie sich der Alltag zum Positiven verändern würde:

  • Er / Sie könnte den eigenen Kindern noch besser bei den Hausaufgaben helfen.
  • Er / Sie wäre unabhängiger von anderen.
  • Er / Sie könnte leichter eine Arbeitsstelle finden oder wechseln.

Lösungen anbieten

Wenn Sie Menschen auf ihre Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben ansprechen, können Sie ihnen auch Hilfe anbieten: Informieren Sie sie darüber, dass in ganz Deutschland Lese- und Schreibkurse für Erwachsene angeboten werden, meistens an Volkshochschulen. Dort findet das Lernen in Kleingruppen statt und verläuft entspannt. Weitere Informationen zu diesen Kursen hält das
ALFA-Telefon bereit.

Wenn es nicht geklappt hat

So sensibel Sie das Gespräch auch einleiten: Jemanden auf seine Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben anzusprechen, bedeutet immer eine Konfrontation: Einige erschrecken sich darüber, verneinen die Schwierigkeiten, suchen Ausflüchte oder brechen das Gespräch ab. Haben Sie auch hierfür Verständnis. Manchmal ist es sinnvoll, aus der Situation „herauszugehen“. Signalisieren Sie Ihrem Gegenüber Ihre Offenheit und bieten Sie weiterhin Ihre Gesprächsbereitschaft an.